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Individualität - Jeder Mensch ist anders

Richtige Auswahl des Mittels


Ein sehr wichtiger Grundsatz in der klassischen Homöopathie ist die Ansicht, dass jeder Mensch ein einzigartiges Wesen ist. Die individuelle Betrachtung des Patienten ist die wichtigste Grundlagenarbeit des Homöopathen. Immer ist es der einzelne, unverwechselbare Mensch, der behandelt wird. Er erkrankt auf seine ganz spezifische Weise und produziert seine ganz persönlichen Krankheitssymptome. Somit muss für ihn das passende Arzneimittel gefunden werden, das durch kein anderes ersetzt werden kann. Dabei ist es für den Homöopathen weniger wichtig, welche Krankheit der Patient hat, sondern wie sich die betreffende Krankheit beim Patienten äußert.

Nehmen wir zur Verdeutlichung das weit verbreitete Leiden "Kopfschmerz". Der eine Patient hat einen punktförmigen Schmerz über der Nasenwurzel, ein zweiter klagt über pulsierende Schmerzen auf der Stirn und ein weiterer hat dumpfe Schmerzen im Hinterkopf.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Umstände, unter denen sich die Beschwerden verbessern und verschlimmern. Der eine Patient fühlt sich bei Kopfschmerzen besser mit Wärme, der andere besser mit kühlen Umschlägen und wenn er mit den Fingern auf die schmerzhafte Stelle presst. Beim dritten werden die Beschwerden beim Liegen im Dunkeln gelindert und verschlimmern sich bei grellem Licht.

Die Ursache einer Erkrankung muss ebenfalls eingehend studiert werden. Der erste Patient wurde auf einer Wanderung von einem Gewitter überrascht. Er hat sich dadurch stark erkältet, und in der Folge bildete sich eine Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) aus. Der andere war zu lange an der Sonne. Auch psychische Auslöser sind in Betracht zu ziehen, Kummer, Sorgen, finanzieller Verlust, Eifersucht, Stress etc.

Die Homöopathie versteht den Menschen als eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Eine Trennung dieser Ganzheit ist unmöglich. Aus diesem Grund spielt der Charakter und Gemütszustand des Patienten eine sehr wichtige Rolle. Der eine ist introvertiert, hat alles im Griff, überspielt seine Gefühle, wirkt unnahbar und blockiert. Ein anderer ist launisch, aggressiv, impulsiv. Von Zurückhaltung und Nächstenliebe keine Spur. Man weicht ihm am besten aus.

Frühere Gesundheitsstörungen, Krankheiten in der Familie und andere Details liefern ebenfalls wertvolle Hinweise zur Mittelfindung (s. Kapitel Fallaufnahme).

Der klassische Homöopath sucht nun unter Zuhilfenahme dieser individuellen Symptome nach einem Mittel, das auf den Patienten abgestimmt ist. Bei jedem Patienten wird neu unter Einsatz von Wissen und Einfühlungsvermögen das zum Patienten passende Medikament gesucht.

Er verschreibt also kein Mittel, das mit einem Krankheitsnamen (z.B. Kopfschmerz) beschriftet ist, sondern sucht ein Mittel, das auf den Gesamtzustand des Patienten passt. So können 10 Patienten, die alle an derselben Krankheit (z.B. Kopfschmerz) leiden, je nach der individuellen Symptomatik des einzelnen, durchaus 10 verschiedene Medikamente erhalten.


 

Die Fallaufnahme 

Der Patient muss abklären, welche Krankheitsbelastungen in der Familie vorliegen. Dies ist nicht immer leicht, oft braucht es viel guten Willen und Beharrlichkeit, um von den Verwandten ihre Krankheitsgeschichte zu erfahren. Häufig haben die Eltern die Krankheiten nicht richtig wahrgenommen, sind sich ihrer nicht mehr bewusst oder wollen einfach nicht mehr über die alten Dinge sprechen.

Je ausführlicher der Patient die familiären Belastungen kennt, umso einfacher gestaltet sich die Konsultation und gibt dem Homöopathen wichtige Informationen über die miasmatische Belastung und die in Frage kommenden homöopathischen Mittel.

Abzuklären ist, an welchen Krankheiten die Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Onkel, Tanten, Geschwister und Kinder erkrankt sind:

Z.B. Krebs, Tuberkulose, Diabetes (auch Altersdiabetes), Geschlechtskrankheiten, Rheuma, Arthrose, Gicht, Polyarthritis, Alkoholismus, Depressionen, Selbstmorde, Hautkrankheiten, Missbildungen, Geschwüre, Hirnschlag, Herzkrankheiten, Lähmungen, Verwachsungen, Fehl-, Früh- und Totgeburten, Blutkrankheiten, Impfschäden, Lungenkrankheiten, schwere Infektionskrankheiten, Allergien, Krampfadern etc. Auch Operationen und die Todesursache der Angehörigen sind von Bedeutung.

Bei Kindern muss man zusätzlich noch nach dem Gesundheitszustand der Mutter während der Schwangerschaft fragen und ob sie in deren Verlauf Medikamente einnehmen musste. Der Geburtsverlauf, das Gewicht, die Größe sowie das Aussehen des Neugeborenen und ein allfälliges Geburtsgebrechen liefern ebenfalls wichtige Informationen.

Wurde das Kind gestillt und wenn ja, wie lange? Wie war sein Trinkverhalten, die Entwicklung (Zahnen, Laufen, Sprechen), zeigte es Reaktionen auf allfällige Impfungen? Wurden diese behandelt, und gab es Komplikationen?

Ferner muss der Patient seine eigenen Krankheiten und allfällige Operationen in chronologischer Reihenfolge auflisten. Falls er Medikamente eingenommen hat oder immer noch nimmt, sind diese auch zu erfassen.

Die Fallaufnahme beginnt bereits beim ersten Kontakt mit dem Patienten. Der erste Eindruck sagt oft viel aus. Wie ist sein Auftreten, sein Händedruck, ist er nervös, verkrampft oder gibt er sich gelassen? Dann erfolgt ein längeres Gespräch mit dem Patienten über sein Befinden, die Beschwerden, seit wann diese bestehen, die Symptome, den Schmerzcharakter, sein soziales Umfeld, Lebensgewohnheiten, Essverhalten, Gewohnheiten, Schlaf, Verdauung etc. Man versucht den Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen und ihn zu verstehen. Es ist wichtig, bei der Fallaufnahme nach der Ursache einer Erkrankung, sei es physischer oder psychischer Natur, zu forschen.

Alle diese Angaben ergeben ein möglichst vollständiges Bild des Patienten. Es ist, wie wenn man einzelne Mosaiksteine zu einem Bild zusammenfügt. Je mehr Steine man zur Verfügung hat, umso deutlicher wird das Bild. Erst jetzt kann der Homöopath entscheiden, mit welchem Mittel der Patient behandelt werden muss.

 

Auswahl des homöopathischen Mittels


Um das richtige homöopathische Mittel zu finden, wird nicht nach dem Krankheitsnamen, bzw. nach der Diagnose gesucht. Wegweisend sind die individuellen Symptome des Patienten.

D.h. es ist weniger wichtig, welche Krankheit der Patient hat, sondern wie sich die betreffende Krankheit beim Patienten äußert. Dabei wird jeder Patient als individuelle Persönlichkeit betrachtet. Es ist durchaus möglich, dass von 5 Patienten, welche an derselben Krankheit (z.B. Durchfall) leiden, jeder aufgrund der individuellen Symptomatik ein anderes Mittel braucht.

Als erstes ist eine genaue Beobachtung und eine ausführliche Befragung des Patienten nötig.

·         Welche Krankheit hat er? (Durchfall, Fieber, Halsschmerzen...)

·         Wie ist sein Aussehen? (Bleich, gerötet, aufgedunsen, Ausschläge ..)

·         Was hat die Beschwerden ausgelöst? (Verletzung, Nahrungsmittel, Hitze, Kälte, Stress ...)

·         Wie verhält sich der Patient? (Apathisch, ängstlich, aufgeregt, ärgerlich, aggressiv, braucht er Gesellschaft, will er alleine sein...)

·         Was empfindet der Patient? (Frieren, Schwitzen, Jucken, Stechen ...)

·         Welcher Art sind die Schmerzen? (Pulsierend, stechend, brennend, ziehend ...)

·         Was bessert, was verschlimmert  die Beschwerden? (Wärme, Kälte, Ruhe, Bewegung, Tages-, Nachtzeiten ...)

 

Aufgrund dieser Beobachtungen suchen Sie nun das richtige Mittel.

·        Welche Mittel  stehen bei diesen Beschwerden zur Auswahl.

·         Wählen der Mittel, welche am besten mit dem Symptomenbild übereinstimmen.

·         Suchen der entsprechenden Mittel  und vergleichen  mit den Symptomen und Beschwerden des Patienten. Das Mittel, welches dem Krankheitsbild am ähnlichsten ist, ist mit größter Wahrscheinlichkeit das richtige.

 

Es kann in vereinzelten Fällen vorkommen, dass Sie kein passendes Mittel finden. Manchmal ist es auch schwierig, sich für ein Mittel zu entscheiden, da zwei oder drei in Frage kommen. Meistens hilft Ihnen in dieser Situation eine nochmalige, genauere Beobachtung oder Befragung des Patienten weiter.

Falls das ausgewählte Mittel ungenügenden Erfolg zeigt, so entscheiden Sie sich für das nächstfolgende. Allerdings sollten sie es vermeiden, viele verschiedene Mittel durchzuprobieren. Je mehr verschiedene Mittel dem Organismus zugeführt werden, um so schwieriger kann dieser auf das schlussendlich richtige reagieren.

Sollten Sie das entsprechende Mittel nicht finden, nehmen Sie mit Ihrem Homöopathen Kontakt auf.