Entzündlich-rheumatischen Erkrankungen  

Die wichtigste und bekannteste entzündliche Erkrankung ist die chronische Polyarthritis,  auch rheumatoide Arthritis genannt. Sie geht oft mit dem Nachweis eines Rheumafaktors einher.

Bei den Erkrankungen dieser Gruppe findet die Entzündung oft nicht nur örtlich auf eine oder mehrere Gelenke begrenzt statt, sondern sie kann als Systemerkrankung den gesamten Körper befallen. Die Betroffenen fühlen sich
krank und leistungsschwach. Der entzündliche Prozess ist auch meistens anhand der Entzündungswerte im Blut nachweisbar.

Rheumatoide Arthritis : ( chron. Polyarthritis ) -  Autoimmunkrankheit 

Bei manchen Menschen bekämpft das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen (3x häufiger bei Frauen). Dadurch wird eine Auslösung schwerer Erkrankungen z. B. Multible Sklerose, jugendl. Diabetes oder Rheumat. Arthritis verursacht.

Rheumat. Arthritis kann in jedem Lebensabschnitt ausbrechen. Es ist eine chronisch- entzündliche Systemerkrankung des menschlichen Bindegewebes, vorwiegend der Gelenkinnenhäute ( Synovialmembran = Synovialis).

Rheumat. Arthritis befällt zuerst die peripheren Gelenke, schreitet dann zur Körpermitte voran und kann auch andere Organe schädigen, z.B. Herzbeutel- Herzinnenhaut- Herzmuskelentzündung, Brustfellentzündung, Blutgefäß- od. Augenentzündung. 

Entstehung und Ursache:

Ein bis heute unbekanntes Antigen (mit Bindegewebe verwandt) wird von den Zellen des unspezifischen Immunsystems abgebaut, wobei ein Bruchstück des Antigens in die Zellmembran eingelagert wird. Wenn nun die spezialisierten Immunzellen dieses Antigenbruchstück fälschlicherweise als Körperfremd einstufen, lösen sie ein kompliziertes Abwehrsystem aus, welches nacheinander reagiert und die Zellen der Gelenkinnenhäute entzünden und wuchern lässt. Durch bestimmte Botenstoffe versucht die wuchernde Gelenkhaut das fremde Gewebe zu zerstören und aufzulösen.

Folge:

die chron.-entzündete Gelenkhaut verdickt sich, wuchert in benachbartes Gewebe, vernichtet dort Knorpel-u. Knochenmasse, zerstört dadurch Gelenke und deren Funktion. 

1 Theorie der Entstehung:

Unfähigkeit des Immunsystems körpereigen von körperfremd zu unterscheiden. Beim Heranreifen im Thymus sterben normalerweise die Immunzellen ab, die sich an körpereigene Strukturen haften. Durch gestörte Auslese im Thymus gelangen diese gestörten Zellen in die Blutbahn und lösen diese Autoimmunkrankheit aus. 

2 Theorie der Entstehung:

durch Bakterien und Viren (molekulare Mimikry)

Bakterien und Viren synthetisieren Stoffe, die dem Körper verwandt sind. Entweder ignoriert die Abwehr diese Stoffe (= ungehindertes Bakterienwachstum), oder die Abwehr reagiert nicht nur heftig auf Bakterien, sondern auch auf die körpereigenen  Strukturen, die von Bakterien nachgeahmt werden. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Feinstruktur (Gene) welche darüber entscheidet, welches Antigenbruchstück wie gebunden wird. Dadurch bei manchen: Abwehr ignoriert Bruchstück, Abwehr des anderen: Haftung an Bruchstück = Autoimmunerkrankung. 

Verlauf der Erkrankung:  - bei jedem unterschiedlich

Jahrelang leichte Beschwerden oder starke Gelenkschmerzen im Wechsel mit beschwerdearmen Schüben. Bei manchen: spontane Gesundung, andere: Pflegefall 

Behandlung:

Nur symtomatisch – keine Heilung möglich, bis das unbekannte Antigen identifiziert ist. Z.Zt.: Schmerzen lindern, Entzündungen eindämmen, Gelenkfunktion erhalten.

Chirurgische Eingriffe: (Synovektomie)

Bei zu starker Wucherung der Gelenkhaut in den Gelenkspalt - herausschneiden evtl. Gelenkprothese einsetzen.

Physikalische Therapie:

Wärme- oder Kältetherapie (Thermo- od. Kryo), Fango-, Schlamm- oder Moorpackungen, Massagen, Elektrotherapien

Medikamentöse Behandlung:

  1. nichtsteroidale Antiphlogistika

  2. Kortikoide

  3. Basistherapeutika (Darmtherapeutika- z.B. Sulfasalazin, Zytostatika- z.B. Methotrexat, Goldsalze- z.B.Aurothioglucose, Antimalariamittel-  z.B. Hydroxychlorochin, Chelatbildner-  z.B. Penicillamin)

  4. Immunsuppressiva

 Wirkungsweisen und mögliche Nebenwirkungen

 zu 1.: Wirkung: Hemmung der Botenstoffe die die Entzündungen und Schmerzen hervorrufen.                                                                                                                                 Nebenwirkung: Magenschmerzen oder Geschwüre durch Verdünnung der Magenschleimhaut

zu 2.: Wirkung: stark entzündungshemmend durch Unterdrückung der Immunabwehr und Hemmung der Botenstoffe die die Entzündung verursachen. Gute Erfolge mit niedrigdosierter Langzeittherapie, trotzdem besser nur Kurzzeitverordnung wegen vieler Nebenwirkungen.                                Nebenwirkungen: Vollmondgesicht, Gesichtsrötung, Infektanfälligkeit, Ekzeme, Blutdruck-,Blutzucker- und Blutfetterhöhung.

zu 3.: Wirkung: verzögert Fortschreiten der rheumat. Arthritis, genaue Wirkungsweise unbekannt. Oft in Kombination mit nichtsteroidalen Antirheumatika.




Die zweite große Gruppe sind die seronegativen Spondarthritiden.

Der Name weist darauf hin, dass der Rheumafaktor hier meistens nicht gefunden wird und dass die entzündliche Erkrankung sowohl die Gelenke als auch die gesamte Wirbelsäule betreffen kann. Die bekanntesten Erkrankungen dieser Gruppe sind die Spondylitis ancylosans (Morbus Bechterew) und die Psoriasis-Arthritis, die entzündlich-rheumatische Erkrankung im Zusammenhang mit einer Schuppenflechte.

Weitere entzündliche Gelenkerkrankungen können nach Infekten auftreten, die meist im Bereich der Harnwege oder des Darmes stattfinden. Auch die Gelenkentzündungen, die zusammen mit chronischen Darmentzündungen auftreten (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn) gehören in diese Gruppe.

Eine besondere Form der entzündlichen Gelenkerkrankungen ist die Arthritis im Kindesalters (juvenile chronische Arthritis) mit drei Hauptformen: Das Still-Syndrom, das auch innere Organe betrifft und Fieber zeigt. Die zweite Form ist der chronischen Polyarthritis der Erwachsenen sehr ähnlich. Die dritte Form der Arthritis im Kindesalter ist oft mit einer Regenbogenhautentzündung (Iritis) verknüpft und kann im Erwachsenenalter in eine Gelenkerkrankung übergehen, die teilweise auch die Wirbelsäule betreffen kann (seronegative Spondarthropathie).

Zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gehören auch die sogenannten Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) und die Vaskulitiden (Gefäßentzündungen). Beiden Krankheitsgruppen ist gemein, dass auf Grund der Beteiligung innerer Organe und auch der Gefäße schwere, mitunter auch lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten können. Betroffen sind die Haut, aber auch Nieren, Herz, Gefäße und blutbildende Organe sowie das Nervensystem.

Die klassischen Bindegewebserkrankungen sind der Systemische Lupus erythematodes (SLE), die Sklerodermie (progressive systemische Sklerose), die Dermatomyositis bzw. Polymyositis und die Panarteriitis nodosa. Häufig gibt es Mischerkrankungen (Mischkollagenosen) wie etwa das Sharp-Syndrom. Das Sjögren-Syndrom mit der im Vordergrund stehenden Trockenheit von Mund und Auge tritt gelegentlich auch gemeinsam mit der chronischen Polyarthritis auf.

Zu den Vaskulitiden gehören die im höheren Alter vorkommende Muskelerkrankung Polymyalgia rheumatica und die oft mit ihr auftretende Temporalarteriitis (Riesenzellarteriitis). Im klassischen Fall besteht eine Entzündung der Schläfenarterie.

Einige weitere sehr seltene Erkrankungen dieser Art sind die Wegner'sche Granulomatose und das Churg-Strauß-Syndrom.

 

Therapie und Hilfe

Der größte Teil der rheumatischen Erkrankungen verläuft chronisch, d. h., die Erkrankungen können zwar heute meist wirksam behandelt, aber nicht völlig geheilt werden. Um so wichtiger ist es, dass die Betroffenen nicht nur frühzeitig professionelle Therapie erhalten, sondern auch Information, Rat und Hilfe zur Selbsthilfe bekommen, mit dem Ziel, ein möglichst normales Alltagsleben führen zu können.  


Was bedeutet "Rheuma"?


Rheumatische Erkrankungen beeinträchtigen die Bewegungsfunktionen des Körpers, können Gelenke zerstören, aber auch Herz, Nieren, Augen oder andere Organe befallen. 

Rheumakranke leiden daher meist unter großen Schmerzen.

Rheumatische Erkrankungen verlaufen meist chronisch, deshalb sollten ergänzend und unterstützend zur ärztlich-medizinischen Behandlung zusätzliche Hilfs- und Selbsthilfe-Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

"Rheuma" ist ein Sammelbegriff für viele rheumatische Erkrankungen. Zu ihnen zählen die chronische Polyarthritis, die Bechterew´sche Erkrankung, Arthrosen und andere Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems.  

 

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