Ernährung bei Gicht 

Therapieziele

Ziel der diätetischen Behandlung ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurebestandes auf etwa 5,5 mg/dl. Wenn bei Harnsäurewerten zwischen 8,5 und 9 mg/dl keine akuten Probleme auftreten, reichen diätetische Maßnahmen meist aus. Bei Konzentrationen über 9 mg/dl bzw. bei gleichzeitigem Auftreten von Komplikationen (Gichtanfälle, Nierensteine) ist eine zusätzliche medikamentöse Behandlung erforderlich.

 

Purine

 

Einschränkung 
der Purinzufuhr

Nahrungspurine werden im menschlichen Körper zu Harnsäure abgebaut. Deshalb ist bei entsprechender Veranlagung (Hyperurikämie) die Zufuhr von Harnsäure(-äquivalenten) auf etwa 500 mg pro Tag zu reduzieren. Um diesen Wert nicht zu überschreiten, sollten höchstens einmal am Tag 100g Fleisch, Fisch oder Wurst verzehrt werden. Innereien enthalten den höchsten Puringehalt. Sie sind deshalb ganz zu meiden. Aber auch der Verzehr von purinreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln wie z.B. von Hülsenfrüchten, Kohl und Rosenkohl sollte eingeschränkt werden. Der Purin- und Harnsäureäquivalentgehalt einzelner Lebensmittel ist in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Purin- bzw. Harnsäureäquivalentgehalt einiger Lebensmittel

100g Lebensmittel

Puringehalt in mg

Harnsäureäquivalent in mg

Fleischextrakt

700

1680

Ölsardinen

399

958

Leber *

250 

600

Lachs

250

600

Linsen, getrocknet

222

533

Hering

210

504

Makrele

194

466

Kalbfleisch (Filet)

190

456

Forelle

170

408

Rotbarsch

160

384

Hammelfleisch

150

360

Rindfleisch *

150 

360

Schweinefleisch

150

360

Geflügel

150

360

Erbsen

145

348

Thunfisch

142

341

Kalbfleisch

125

300

Bohnen, weiß

120

288

Erdnuss, geröstet

120

288

Hase

110

264

Hirsch

110

264

Spinat

70

168

Bier 14 34

* : im Durchschnitt
Umrechnung: 1mg Purin entspricht 2,4mg Harnsäureäquivalent

 

Milch

Milch als Eiweißquelle Da ein hoher Eiweißgehalt von Lebensmittel meist auch mit einem hohen Puringehalt verbunden ist, sollte mit proteinreichen Lebensmitteln sparsam umgegangen werden.

Milch und Milchprodukte sowie Eier sind purinfrei bzw. sehr purinarm. Sie eignen sich besonders als Proteinquelle, da reines Eiweiß die Harnsäureausscheidung über die Niere fördert.

 

Alkohol

Einschränkung des Alkohol-
konsums

 

 

Häufiger Auslöser von Gichtanfällen ist der übermäßige Konsum von Alkohol. Der Harnsäurestoffwechsel wird dabei auf mehreren Wegen beeinflusst. Zum einen wird die Bildung von Milchsäure begünstigt, was zu einer Übersäuerung des Blutes (Hyperlaktazidämie) führt. Dies setzt die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure herab, was die Auskristallisation von Natriumurat fördert.

Zum anderen hemmt Alkohol die Harnsäureausscheidung über die Niere und stimuliert durch den verstärkten Abbau sogenannter Adeninnukleotide in der Leber die endogene (körpereigene) Harnsäuresynthese.
Zu berücksichtigen ist ebenfalls der Puringehalt des Bieres. Ein halber Liter Bier enthält immerhin 170 mg Harnsäureäquivalent. Dadurch und durch die negativen Wirkungen des Alkohols erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalles. Die Kombination von Alkoholkonsum und fettreicher Nahrung ist besonders ungünstig.

 

Fett

 

Eine hohe Fettzufuhr begünstigt die Entstehung sogenannter Ketonkörper, die die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere hemmen. Die tägliche Aufnahme sollte 70g Fett nicht übersteigen. Das entspricht etwa 30% der Gesamtenergiezufuhr.
Die Art des Fettes ist in diesem Fall nicht von Bedeutung. Im Rahmen einer gesunden Ernährung empfiehlt es sich jedoch, den Anteil tierischer Fette zugunsten von pflanzlichen Ölen zu reduzieren.

 

Fasten

Beim totalen Fasten ("Nulldiät") kommt es zu einem starken Verlust von Körpersubstanz. Hierbei werden durch den Abbau von Körperfett ebenfalls Ketonkörper gebildet, die die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere hemmen. Dadurch relativiert sich der positive Effekt der Gewichtsabnahme auf den Harnsäurepool. Es sollte eine langsame, aber stetige Gewichtsreduktion angestrebt werden, so dass das Auftreten von Ketonkörpern vermieden wird. Hierfür empfiehlt sich eine langfristige Ernährungsumstellung mit der damit verbundenen geringeren Fettzufuhr. Tipps zum Abnehmen finden Sie auf den Übergewichtsseiten.

 

Zusammenfassung

5 Regeln 1. Harnsäure-reduzierende Kost (<500mg Harnsäureäquivalente/Tag)
  • maximal einmal am Tag 100g Fleisch, Fisch oder Wurst (am Anfang ist es sinnvoll, die Portionen abzuwiegen, da man dazu neigt, die Portionsgröße zu unterschätzen!)
  • auf Innereien verzichten
  • purinreiche pflanzliche Lebensmittel wie z.B. Hülsenfrüchte, Kohl, Rosenkohl, Linsen, Erbsen, weiße Bohnen etc. meiden
2.  Milch und Milchprodukte als bevorzugte Eiweißquelle

3.  Alkoholkonsum einschränken (max. 1 Glas eines alkoholischen
      Getränkes pro Tag)

4.  Normalisierung des Körpergewichtes

5. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5-2l)
 

                                                             zurück