Ernährung von Kleinkindern und Heranwachsenden


Hauptnährstoffe

Nährstoffbedarf

Nach der Abnabelung ist der Säugling auf eine äußere Zufuhr von Nährstoffen angewiesen. Die physiologischen Grundlagen hierfür sind der Warzensuchreflex, der Saugreflex und der Schluckreflex des Neugeborenen. Durch die Besiedelung des Darmes mit Mikroorganismen aus der Umwelt kann es anfangs zu leichten Verdauungsstörungen kommen, die sich jedoch schnell bessern. Die in der Muttermilch enthaltenen Bifidus-Bakterien hemmen das Wachstum krankheitserregender Keime, indem sie über die Bildung von Milch- und Essigsäure den pH-Wert des Darmes senken.

 

Energiebedarf

 

 

Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr lässt sich am einfachsten beim Stillen erreichen. Die Menge der zugeführten Muttermilch ist in der Regel an die Bedürfnisse des Säuglings angepasst. Dies ist der Grund, warum gestillte Kinder weniger häufig an Übergewicht leiden als nichtgestillte.

Die Energiezufuhr ist stetig steigend und nähert sich dem Bedarf des Erwachsenen allmählich an (siehe Tabelle). Die benötigte Energiemenge, bezogen auf das Körpergewicht, nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Empfohlene Energiezufuhr  

Altersgruppe

Energie in Kcal.

 

männlich

weiblich

0-4 Monate

500 450
4-12 Monate 700 700
1-4 Jahre 1100 1000
4-7 Jahre 1500 1400
7-10 Jahre 1900 1700
10-13 Jahre 2300 2000
13-15 Jahre 2700 2200
15-19 Jahre 3100 2500

 

Eiweiß Auf eine bedarfsgerechte Ernährung im Hinblick auf die tägliche Eiweißzufuhr ist ebenfalls zu achten, da sowohl zuwenig (beeinträchtigte Entwicklung) als auch zuviel schädlich für das Heranwachsende ist.
 

Empfohlene Eiweißzufuhr 

Altersgruppe

g Eiweiß pro Tag

g Eiweiß pro Tag

 

männlich

weiblich

0-4 Monate

9,4 8,4
4-12 Monate 26,3 26,3
1-4 Jahre 49,5 45
4-7 Jahre 56,3 52,5
7-10 Jahre 71,3 63,8
10-13 Jahre 86,3 75
13-15 Jahre 101,3 82,5
15-19 Jahre 116,3 93,8

 

Fett Fett ist ein wichtiger Energielieferant und enthält mit 9 Kcal./g über doppelt soviel Energie wie Kohlenhydrate und Fett. 50% dieser Energie bezieht das Neugeborene aus dem Fettgehalt der Muttermilch.

Neben der Menge des zugeführten Fettes spielen auch die Art der Fettsäuren eine wichtige Rolle. Die Muttermilch zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Linolsäure, Linolensäure) sowie der einfach ungesättigten Ölsäure aus. Weiterhin sind die beiden Omega-3-Fettsäuren Arachidonsäure und Docosahexaensäure enthalten. Diese beiden Fettsäuren werden v.a. im letzten Schwangerschaftsdrittel im Gehirn, Zentralnervensystem und der Retina des Auges gespeichert, was wahrscheinlich zu einer Verbesserung der kognitiven, intellektuellen und visuellen Leistungen des Kindes führt. Der Erwachsene ist in der Lage, aus Linolsäure und Linolensäure die beiden Omega-3-Fettsäuren aufzubauen. Im frühen Kindesalter ist das hierfür notwenige Enzymsystem noch nicht ausreichend aktiv. Deshalb ist das Neugeborene auch nach der Geburt auf die ständige Zufuhr von Arachidonsäure und Docosahexaensäure angewiesen. Durch die Muttermilch ist eine bedarfsgerechte Zufuhr gewährleistet. Um die positiven Wirkungen dieser Fettsäuren auch für nichtgestillte Säuglinge zugänglich zu machen, werden sie teilweise den industriellen Babynahrungen zugesetzt. Diese Zusätze sollten sich an dem Fettsäuregehalt der Muttermilch orientieren. Weiterhin ist ein zusätzlicher Vitamin E-Zusatz angebracht, um die Oxidation der Fettsäuren zu vermeiden.
 

Empfohlene Fettzufuhr 

Altersgruppe

g Fett pro Tag

g Fett pro Tag

 

männlich

weiblich

0-4 Monate

26,4 23,8
4-12 Monate 31,1 31,1
1-4 Jahre 42,8 38,9
4-7 Jahre 54,2 50,6
7-10 Jahre 68,6 61,4
10-13 Jahre 83,1 72,2
13-15 Jahre 97,5 79,4
15-19 Jahre 103,3 83,3

 
Kohlenhydrate Das Hauptkohlenhydrat der Frauen- und Kuhmilch ist die Lactose (Milchzucker). Sie dient hauptsächlich der Energiegewinnung. Da das milchzuckerspaltende Enzym (Lactase) noch nicht vollständig funktionsfähig ist, gelangt ein Teil des Milchzuckers in untere Darmabschnitte und kann dort von den Darmbakterien zu Milch- und Essigsäure abgebaut werden.

Die Kohlenhydrate sollten vorwiegend in komplexer Form verzehrt werden, also in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln, Obst, Gemüse etc. Der Anteil der unverdaulichen Ballaststoffe erhöht sich nach der Umstellung auf Breikost. Im Zuge der Anpassung an die Ernährung des Erwachsenen sollte die Ballaststoffzufuhr im Jugendalter bei 30g pro Tag liegen.
 

Empfohlene Kohlenhydratzufuhr 

Altersgruppe

g Kohlenhydrate pro Tag

g Kohlenhydrate pro Tag

 

männlich

weiblich

0-4 Monate

56,3 50,6
4-12 Monate 78,8 78,8
1-4 Jahre 129,3 117,5
4-7 Jahre 196,9 183,8
7-10 Jahre 249,4 223,1
10-13 Jahre 301,9 262,5
13-15 Jahre 354,4 288,8
15-19 Jahre 426,3 343,8

 

Vitamine

Allgemein Vitamine sind lebenswichtige Bestandteile unserer Nahrung. Sie besitzen im menschlichen Organismus die unterschiedlichsten Funktionen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen.
Beim Stillen ist die Versorgung des Säuglings mit Vitaminen (Ausnahme: Vitamin D und K) gewährleistet, da der mütterliche Organismus darauf ausgerichtet ist, den Nachwuchs ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Daher kann es aber bei einer unausgewogenen Ernährung der Mutter u.U. zu einem Nährstoffverarmung der Mutter kommen.

Auch die Ernährung mit Säuglingsnahrung stellt keine Probleme bezüglich der Vitaminversorgung dar. Ausnahme ist hier ebenfalls das Vitamin D. Im Folgenden wird auf die beiden kritischen Vitamine näher eingegangen.

 

Vitamin D Dieses Vitamin ist für die Resorption von Calcium und Phosphat sowie die Einlagerung der beiden Mineralstoffe in die Knochensubstanz verantwortlich. In der Haut kann Vitamin D unter Sonneneinstrahlung bzw. ultraviolettem Licht aus Cholesterin (7-Dehydrocholesterol) gebildet werden. Bei einem Vitaminmangel bzw. unzureichender Sonneneinstrahlung kann es zu Verformungen des Skeletts (Rachitis) kommen.

Aufgrund des erhöhten Vitamin D-Bedarfs im ersten Lebensjahr (800 I.E. bzw. 20 µg) und des niedrigen Gehaltes der Muttermilch bzw. der Säuglingsnahrung, wird eine zusätzliche Gabe von 400 I.E. (10 µg) Vitamin D empfohlen.

 

Vitamin K Vitamin K ist maßgeblich an der Blutgerinnung beteiligt. Deshalb kann es bei einem Vitaminmangel zu inneren Blutungen kommen. Dies kann verschiedene Bereiche umfassen, wie z.B. das Gehirn, die Haut und den Darm. Besonders gefährdet sind Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft Medikamente gegen Epilepsie bzw. Mittel zur Blutverdünnung eingenommen haben.

Der niedrige Vitamin K-Gehalt der Muttermilch trägt auch zum Entstehen der Blutungen bei. Deshalb wird eine orale Gabe von 2 mg Vitamin K direkt nach der Geburt empfohlen sowie je einmal in den ersten beiden Lebensmonaten. Die Gabe erfolgt im Rahmen der gesetzlich empfohlenen U1 bis U3.
 

 

Ernährung von Kleinkindern und Jugendlichen

Allgemein

Nach der Umstellung auf feste Nahrung sollte die Ernährung des Kleinkindes an die eines Erwachsenen angepasst werden. Dies bedeutet eine tägliche Einnahme von drei Hauptmahlzeiten sowie zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten. Grundlage für die Entwicklung des Kindes ist eine gesunde, abwechslungsreiche Vollkost, die sich im wesentlichen aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, frischem Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukten, Fisch, Fleisch und pflanzlichen Ölen zusammensetzen sollte.

Beachtet man diese einfachen Regeln einer vollwertigen Ernährung, lässt sich der Tagesbedarf an allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ohne den Zusatz von Tabletten erreichen. Bei einigen Nährstoffen ist der Bedarf im Kindes- und Jugendalter leicht erhöht. Sie werden im Folgenden näher erläutert.

 

Proteinbedarf

Da Proteine für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt werden, haben  Heranwachsende ein erhöhten Bedarf. Mit der Nahrung sollte täglich ausreichend Eiweiß zugeführt werden. Besonders sinnvoll ist der Verzehr von hochwertigem Eiweiß. Grundsätzlich gilt, dass tierisches Protein wertvoller ist als pflanzliches. Eine noch höhere biologische Wertigkeit erhält man, indem man tierische mit pflanzlichen Lebensmitteln gemeinsam verzehrt. Diese ergänzen sich optimal in ihrer Aminosäurenzusammensetzung. Eine gesunde Mischkost ist also die Grundlage für das Wachstum des Kindes.

 

Calcium und Phosphat Calcium und Phosphat sind maßgeblich am Aufbau des Knochenskeletts beteiligt. Die Einlagerung dieser beiden Mineralstoffe in die Knochensubstanz findet vor allem im Kindes- und Jugendalter statt, wodurch der tägliche Bedarf in dieser Zeit erhöht ist. Eine ausreichende Zufuhr führt zu einer hohen Knochendichte, die als Schutz vor Osteoporose angesehen wird.

Der Tagesbedarf an Calcium und Phosphat beträgt (nach D-A-CH) bei Kindern über 10 Jahren etwa 1100 mg Calcium bzw. 1250 mg Phosphat und lässt sich am leichtesten über Milch und Milchprodukte decken. Deshalb wird Kindern und Jugendlichen eine tägliche Aufnahme von 0,5l Milch empfohlen.

 

Eisen Durch das starke Wachstum in der Pubertät erhöht sich der Eisenbedarf der Jungen auf 12 mg/Tag, bei Mädchen steigt der Bedarf mit einsetzender Menstruation weiter auf 15 mg/Tag, da ein Teil des Eisens an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden ist und durch die Blutungen mit ausgeschieden werden.

 

Jod Der Jodbedarf eines Jugendlichen beträgt wie beim Erwachsenen 200 µg am Tag. Diese Menge lässt sich nur durch den Verzehr von Seefisch bzw. die Verwendung von jodiertem Speisesalz erreichen. Eine ausreichende Jodzufuhr stellt die Grundlage für die körperliche und geistige Entwicklung dar.

 

Praktische Ernährungstipps

Pausenbrot
 

 

Die Zwischenmahlzeit sollte ebenfalls aus vollwertigen Nahrungsmitteln bestehen, um Leistungstiefs während der Schule vorzubeugen. Die Konzentrationsfähigkeit lässt sich am besten durch kohlenhydratreiche Lebensmittel wie z.B. Brot erhöhen. Vollkornbrot besitzt den Vorteil, dass es den Blutzucker sehr langsam, aber dafür kontinuierlich anhebt. So wird das Gehirn ausreichend mit energieliefernder Glucose (Zucker) versorgt.
Es sollten also Mischbrote oder Vollkornbrote bevorzugt werden, die mit mageren Käse- oder Wurstsorten belegt sind. Tomaten- oder Gurkenscheiben sind nicht nur gesund, sie werten auch optisch das Pausenbrot auf. Geeignet sind ebenfalls alle Obst- und Gemüsesorten wie Bananen, Äpfel oder Karotten. Als Pausengetränk sind insbesondere Milch oder Milchprodukte (Buttermilch, Kefir) zu empfehlen, um den Calciumbedarf des Heranwachsenden zu decken.

 

Getränke Kinder und Jugendliche sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Täglich sollten mindestens 1,5l Flüssigkeit mit der Nahrung zugeführt werden. Dabei empfiehlt es sich, auf kalorien- und zuckerarme Getränke zurückzugreifen. Besonders eignen sich Mineralwasser, Fruchtsäfte, Saftschorlen und Tee (möglichst ohne Zucker). Zuckerhaltige Getränke fördern nicht nur die Entstehung von Karies, sondern begünstigen auch die Entstehung von Übergewicht.

 

Ernährungsbedingte Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Karies

 

Unter Karies versteht man eine Erkrankung der Zähne, die auf eine Entmineralisierung des Zahnschmelzes zurückzuführen ist. Zucker und zuckerhaltige Speisen werden im Mund durch Bakterien zu organischen Säuren abgebaut, die den Zahnschmelz schädigen.

Bereits bei Kindern werden kariöse Veränderungen der Zähne festgestellt. Dies ist auf den regelmäßigen Verzehr von zuckerhaltigen Limonaden bzw. gesüßten Tees zurückzuführen. Neben einer sorgfältigen Mundhygiene kommt einer gesunden Ernährung (arm an Einfachzuckern) eine wichtige Bedeutung zur Prophylaxe von Karies zu.

 

Übergewicht 30% der deutschen Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. Die Ursache hierfür liegt in der übermäßigen Energie- und Fettzufuhr. Auch der Verzehr von fettreichen Süßigkeiten (z.B. Schokolade) trägt zur Entstehung des Übergewichtes bei. 

Ein Verbot von bestimmten Nahrungsmitteln ist hier nicht angebracht, denn es bewirkt häufig das Gegenteil. Es ist wesentlich sinnvoller, den Heranwachsenden sinnvolle Alternativen für eine gesunde und schmackhafte Kost aufzuzeigen. Hier eignen sich z.B. spezielle Rezepte für Kinder. Auch die optische Aufwertung des Essens bewirkt manchmal Wunder, denn "das Auge isst mit". Ein entscheidender Aspekt ist auch die Vorbildfunktion der Erwachsenen. Denn neben den Genen werden vor allem die Eßgewohnheiten der Eltern vererbt.

Zu bedenken ist ebenfalls, dass die Fettzellen, die im Kindes- und Jugendalter aufgebaut werden, im weiteren Leben erhalten bleiben. Erwachsene können diese Fettzellen nur noch verkleinern, d.h. übergewichtige Kinder besitzen ein Leben lang die Tendenz zum Übergewicht und haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko, an einer ernährungsbedingten Erkrankung (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankung) zu erkranken.

 

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